Aufmerksamkeit zwischen zwei Atemzügen


BEDEUTUNG
&
HERKUNFT
In der etwa 5000 Jahre alten Schrift "Vighyan Bhairav Tantra" werden in der Form von Sutras - in kurzen Lehrtexten in Versform - 112 Methoden der Meditation vorgestellt. Es heißt, dass alle nur denkbaren Methoden zur Bewusstwerdung und zum Erwachen in diesem Tantra enthalten sind. Es  ist auch bekannt als die 112 Meditationsmethoden Shivas, die er seiner geliebten Gefährtin Devi (Shakti) in einem Frage-Antwort-Dialog übermittelt.
Es ist ein Gespräch zwischen Lehrer und Schüler und gleichzeitig der Dialog eines liebenden Paares. Hier gibt es weder Nähe noch Distanz - dies gilt als eine ideale Voraussetzung, transzendentes Wissen zu übermitteln. Wie es der Name andeutet (Vigyana = Bewusstsein; Bhairava = der jenseitige Zustand; Tantra = Technik, Methode), ist es ein Weg, durch unmittelbare Erfahrung und durch bewusstes Handeln über den gewöhnlichen, dualistischen Zustand des Bewusstseins hinauszugehen.
Dieses Tantra enthält viele kurz gefaßte, aber sehr wirksame Techniken, die auf experimenteller Basis helfen, alle wichtigen Fragen des Lebens zu beantworten. Voraussetzung ist, dass man sich total auf die entsprechende Übung einlässt.

PRAXIS
"Wenn in weltlicher Aktivität, lenke die Aufmerksamkeit zwischen zwei Atemzüge, und dies übend wirst du in wenigen Tagen neu geboren."
In dieser Übung geht es darum, sie unter allen Umständen auszuführen - also nicht nur während einer stillen Sitzmeditation, sondern inmitten weltlicher Aktivität - beim Essen, beim Gehen, beim Spülen, beim Arbeiten, wenn möglich auch im Gespräch mit anderen.
Dies bewirkt, dass die Aufmerksamkeit sich nicht mehr nur im Äußeren verliert - in der Identifikation mit peripheren Ereignissen. Du gewinnst etwas mehr Abstand zu all den Dingen, in die du ansonsten verstrickt bist. Es öffnet sich ein Raum des Bewusstseins, in dem du in deinem innersten Wesen ruhen kannst.
Schenke den Phasen des Übergangs vom Einatmen zum Ausatmen und vom Ausatmen zum Einatmen deine ungeteilte Aufmerksamkeit.
Hier ist nicht das Atemanhalten im gewöhnlichen Sinne gemeint, sondern nur ein entspanntes Verweilen in einer Art Zwischenbereich, in einem Zustand des Leerseins. Du beobachtest einfach nur die Pause zwischen den Atembewegungen und ruhst dich aus.
Stelle dir vor, wie du beim Autofahren von einem Gang in den anderen schaltest - jedes Mal verweilst du für einen Moment im Leerlauf. Dies sind die äußerst kostbaren Augenblicke, in denen wirkliche Stille erfahren werden kann.
Du kannst diese Übung auch mit der vorherigen „Soham"-Meditation verbinden, indem du nach der bewussten, einfühlsamen Einatmung (So) und der ruhigen, tiefen Ausatmung (Ham) dich noch stärker auf die Pausen besinnst.......
                                                                             Die vorherige Übung