Traumwelten  -  Bilder aus einer anderen Wirklichkeit                                  
Vor ungefähr dreißig Jahren erfuhr ich in meiner Art, die Welt zu sehen, eine unerwartete Wendung. Einige Monate lebte ich in Rishikesh am Fuße des Himalaja im Ganges-Tal in einem idyllisch gelegenen Ashram und lernte die klassischen Körperstellungen des Hatha Yoga. Eines Tages sandte mich mein Lehrer mit dem Auftrag nach Neu Delhi, einem seiner älteren Schüler eine schriftliche Botschaft zu überbringen. Ein Einschreibebrief hätte den Zweck sicherlich kostengünstiger erfüllt. Aber vielleicht war es auch ein guter Vorwand, mir eine der tiefgreifendsten Erfahrungen meines Lebens zu bescheren:
„Kirti“, sagte er zu mir, „in der folgenden Woche sollst du dir nichts anderes vorstellen, als wie eine Kamera zu sein, deren Objektiv weit offen ist, um alle Eindrücke wahllos hereinzulassen, ohne dafür oder dagegen zu sein, ohne die Dinge, die du siehst, zu bewerten im Sinne von „gut“ oder „schlecht“. Und damit du gar nicht erst im Bewerten und Reflektieren der unmittelbaren Eindrücke hängen bleibst, musst du dich immer daran erinnern, dass in der Kamera gar kein Film ist, auf dem irgendein Bild aufgezeichnet werden könnte!“ - Eine Woche lang praktizierte ich dies voller Eifer und geriet in einen Glückseligkeitsrausch, in einen Zustand der Klarsicht, in dem alle Dinge eine magische Qualität annahmen.
Poesie und Malerei könnten vielleicht einen Hauch dieser Stimmung übermitteln, aber ich bin nun mal kein Dichter und auch kein Maler. Stattdessen habe ich mich mit Hilfe von Schere und Kleber daran gemacht, meine Wahrnehmung der Welt durch das Zusammenfügen ausgeschnittener Bildelemente zu beschreiben. Nicht, dass ich wie in den abgebildeten Collagen Ereignisse und Begegnungen in surrealen Farben und Zusammenhängen erleben würde! Wie groß die Faszination der Formen und Farben auch sein mag, geht es mir nicht so sehr um die Darstellung des Sichtbaren - auch nicht um die Verfremdung der Wahrnehmung oder um eine bizarre Unterhaltung der Sinne, um sie vom Alltäglichen abzulenken und zu betäuben. Vielmehr möchte ich auf die Magie des Unsichtbaren aufmerksam machen - den Raum zwischen, hinter und in den Dingen, das Spiel von Nähe und Distanz, die Perspektiven und unkonventionellen Blickwinkel, die den Erscheinungsformen neue Bedeutung schenken.
Die nahtlose Verbindung von Bildfragmenten und das Ineinanderfließen von Linien und Farben überlisten den rigiden Verstand, der immer genau „weiß“, was zusammengehören darf und was nicht. Hier schließt sich der Kreis und ich kehre zu meinem eigentlichen Thema zurück: YOGA.
Yoga bedeutet VEREINIGUNG oder EINHEIT. Seine weitherzige Sicht ist in der Lage, alle scheinbaren Widersprüche zu umarmen: Gut und böse, groß und klein, wichtig und bedeutungslos, weich und hart, langweilig und sensationell, lustvoll und streng.... - die Aufzählung könnte endlos fortgesetzt werden.
Im Yoga wie in der Kunst der Collage geht es um Heilung und Ganzheit. Gesundheit und Wohlbefinden können sich entfalten, wenn alle Elemente mit gleicher Aufmerksamkeit bedacht werden. Und was könnte letzten Endes alle Dinge zusammenfügen, wenn nicht der grenzenlose, alles beherbergende RAUM?! Dieses feine, nicht greifbare Element kann jedoch nur erkannt werden, wenn eine Bereitschaft da ist, sich auf das Spiel einzulassen, so zu tun, als ob „kein Film mehr in der Kamera ist“! Dann schaut man nicht mehr auf die einzelnen Gebilde, sondern sieht das GANZE BILD, in dem sogar der Betrachter mit einbezogen ist. Die Frage ist nicht nur: „Was sehe ich?“, sondern auch „wer sieht?“



Die Illusion von Zeit und Raum
Das Leben - eine Zeichnung am Himmel.
Erscheinung ohne Substanz.
Jenseits davon - grundloses Blau.


Alle Dinge sind Zeit. Der rastlose, zielorientierte Mensch lebt in seiner eigenen beschleunigten Zeit und scheint immer zuwenig davon zu haben. Der Erwachte hingegen ruht in seiner Mitte wie im Auge eines Wirbelsturmes. Er jagt nicht mehr dem Augenblick hinterher - er ist immer nur hier und jetzt, und alle Dinge existieren innerhalb seiner Raum-Natur.


Whirling around Zero
Die Stille im Innersten bleibt ewig unberührt,
wie schnell die Welt sich auch drehen mag.

Wir denken, wir leben in der Zeit, doch lebendig sind wir immer nur in diesem winzigen Bruchteil einer Sekunde. So sehr wir uns auch beeilen - niemals werden wir dem Jetzt entfliehen!
In Wirklichkeit treten wir nur auf der Stelle, und die Welt bewegt sich durch uns hindurch.



Das Antlitz der Göttin
Jenseits von Ich und Du
BIN ICH grenzenlos, leer, erfüllt...

Im Zen heißt es: „Form ist Leerheit, Leerheit ist Form“. Wer ist dieses unendliche kosmische Wesen, das alle Welten in sich birgt?



Das Sonnengebet
Gebe dem Universum deine Absicht kund.
Hülle sie ein in das Bewusstsein der Unendlichkeit!
Warte aufmerksam! Ruhe in Absichtslosigkeit! Es ist die Natur des Wunsches, in seiner Zeit zur Verwirklichung zu gelangen.

Im Zentrum dieses Bildes steht die erste Haltung des Surya Namaskar – des Grußes an die Sonne. Es ist eine dynamische Abfolge von
12 klassischen Yogahaltungen, die die innere Haltung der Verehrung der Lebensenergie zum Ausdruck bringt. Im Hatha Yoga geht es um die vollkommene Bewusstwerdung in jeder Haltung des Körpers (Asana). Eine Asana ist dann vollendet, wenn der Körper stabil, aber entspannt verharrt, und der Geist gelöst und absichtslos im Bewusstsein der Unendlichkeit ruht.


Much better than climbing
In the nighttime I can fly in my wakeful dreams -
in the daytime I can dance in the light of blissful intent.

Yoga ist keine harte, freudlose Disziplin. Nur zu Beginn sieht es so aus, als seien endlos viele Stufen zu erklimmen. Aber das regelmäßige, wache und entspannte Üben belohnt dich jedes Mal mit tiefer Entspannung und strömender Energie. Und bald schon erkennst du, dass es etwas viel Schöneres als mühsames Klettern gibt ......
Der klare Geist ist wie ein Adler, die beflügelte Phantasie ist wie ein Schmetterling, und jede Bewegung dieses leuchtenden Körpers wird zum Tanz.



Auf dem Weg
Ich bin hier und nicht anderswo.
Ich lebe jetzt und nicht in einer anderen Zeit.

Es gibt keine Alternative zu diesem Moment. Die Sinne können „vorher“ und „nachher“ nicht sehen, hören, tasten, riechen oder schmecken. Schaue nicht zurück und eile nicht voraus! Du bist immer genau da, wo du bist.